16 Nächte M74

Fotos von Objekten außerhalb unseres Sonnensystems
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Stefan_Lilge
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16 Nächte M74

Beitrag von Stefan_Lilge » 20.12.2018, 22:23

Hallo,

mir fällt gerade auf, dass ich mein Hauptobjekt des Herbstes hier noch gar nicht gezeigt habe :-)

Eigentlich wollte ich M74 mal unter gutem Himmel angehen, nun ist es aber doch wieder nur ein Großstadtbild von meiner Berliner Dachterrasse geworden.
Dafür bot dieser Herbst genug Gelegenheit für lange Belichtungszeiten. Nachdem ich im September zwei Nächte mit meinem Skywatcher Esprit 150 fotografiert hatte, wollte ich mit dem 10" Meade ACF nachlegen. Nachdem das aber wegen schlechten Seeings zwei Nächte lang nur relativ unscharfe Bilder geliefert hat, habe ich parallel den Esprit 150 aufgebaut, um zu sehen, ob dessen kleinere Öffnung vielleicht irgendwie besser mit dem mäßigen Seeing zurecht kommt. Das war aber nicht der Fall, wenn man die zeitgleich aufgenommenen Bilder des Meade ACF auf die Größe der Bilder mit dem APO verkleinert, sind sie genauso scharf. Immerhin habe ich durch zwei Teleskope ziemlich viel Belichtungszeit erreicht, insgesamt acht Nächte pro Teleskop.

Das Meade ACF mit Trius SX694-Kamera war auf einer Losmandy G11, der Esprit 150 mit ASI1600 auf einer Skywatcher AZ-EQ6.

Insgesamt sind nach einigem Aussortieren ca. 49 Stunden Belichtungszeit in das Bild eingeflossen. Angesichts der Belichtungszeit hätte ich mir mehr Tiefe erhofft, aber M74 ist ziemlich schwach für Großstadthimmel. In fünfminütigen Einzelbildern war meist nur der hellste Teil der Galaxie schwach und verrauscht zu sehen. Ich hatte auch wie üblich mit starken Gradienten zu kämpfen, dazu kam ein Staubkorn auf dem Grünfilter, das im Flat vorhanden war, in den Belichtungen aber nicht. Der dadurch erzeugte Kringel im Grünkanal ging leider auch durch die Galaxie. Da hätte ich wohl mehr als einen Satz Flats für die vielen Nächte machen sollen.

Die unterschiedlichen Abbildungsmaßstäbe der beiden Teleskope habe ich zu einem Bild mit 0,7"/Pixel kombiniert:

Bild
Volle Größe: http://ccd-astronomy.de/temp14/M74kleingut.jpg


Und ich habe auch noch versucht, das Gesamtergebnis in das viel größere Bildfeld des Esprit 150 (halbe Brennweite und größerer Chip) einzupassen, da gibt es noch einige kleine Galaxien im Umfeld:

Bild
Volle Größe: http://ccd-astronomy.de/temp14/M74mitFeldEspritgut.jpg
Viele Grüße
Stefan

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lange
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Re: 16 Nächte M74

Beitrag von lange » 21.12.2018, 08:17

Hallo Stefan,

ich finde Du hast M74 gut erwischt, trotz Berliner Stadtlage.
Gut dass ich den nicht versucht habe, wenn ich sehe wie viel Belichtungszeit man bei M74 braucht.
Ob die Farbkamera da farblich leichter ist ? Ich benutze natürlich auch einen CLS Filter Idas V2 oder Idas V4, da muss ich schon basteln damit das farblich passt.
Hab mir endlich Schmalbandfilter besorgt, mal sehen wann ich mal zum Firstlight komme.

Ich hab noch nie unterschiedliche CCD's oder Teleskope von einem Objekt gemischt.
Wie machst Du das ?
--
Gruss Ralf

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Josef
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Re: 16 Nächte M74

Beitrag von Josef » 21.12.2018, 22:16

Hallo Stefan!

Das ist aber schon ein mehr als starkes Bild dieser Galaxie.
Die muss man unter Deinen Bedingungen mal so rüber bringen, Respekt!
Mit freundlichen Grüßen

Josef

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Stefan_Lilge
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Re: 16 Nächte M74

Beitrag von Stefan_Lilge » 22.12.2018, 13:43

Hallo Ralf und Josef,

@Josef
Das ist aber schon ein mehr als starkes Bild dieser Galaxie.
Vielen Dank, im Endergebnis bin ich auch zufrieden, auch wenn ich mir bei der Belichtungszeit erhofft hatte, dass ich den Hintergrund nicht noch entrauschen muss und die schwachen Teile "souveräner" aussehen.

@Ralf
Gut dass ich den nicht versucht habe, wenn ich sehe wie viel Belichtungszeit man bei M74 braucht.
Ich denke nicht, dass man soviel Belichtungszeit "braucht", 20 Stunden hätten vermutlich auch nicht viel weniger gebracht. Der Aufwand für die Verbesserung des Signal/Rauschverhältnisses steigt ja leider quadratisch, da bringt irgendwann zusätzliche Belichtungszeit nicht mehr viel...
Ob die Farbkamera da farblich leichter ist ? Ich benutze natürlich auch einen CLS Filter Idas V2 oder Idas V4, da muss ich schon basteln damit das farblich passt.
Der Idas V4 dürfte die Farben schon deutlich verbiegen, der P2 zum Glück nicht. Bei mir kommen mit der Farbkamera jedenfalls üblicherweise bessere Farben heraus (ohne Filter oder mit Idas LPS P2) als bei Mono mit Filtern. Kann natürlich auch daran liegen, dass man bei der Farbkamera zwangsläufig viele Farbdaten hat :-)
Ich hab noch nie unterschiedliche CCD's oder Teleskope von einem Objekt gemischt.
Wie machst Du das ?
Ich mache für die jeweiligen Datensätze getrennt das Preprocessing und registriere dann die Ergebnisse aufeinander. Das mache ich mit der "Coregister" Funktion in AstroArt. Das neue AstroArt 7 (das leider keine allzu revolutionären Neuerungen im Vergleich zur Version 6 bietet, dafür einen Bug, der vorher nicht da war) kann "Coregister" sogar ohne dass man vorher drei Sterne auf jedem Bild markiert hat.
Viele Grüße
Stefan

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Re: 16 Nächte M74

Beitrag von roszl » 22.12.2018, 15:21

Hallo Stefan,

da hat sich allerdings die lange Belichtungszeit gelohnt! Ein wirklich tiefes und auch scharfes Bild ist dabei herausgekommen! :klatsch: :klatsch: :klatsch:

Meine "Bemühungen" die Galaxie abzulichten scheiterten entweder an schlechtem Seeing und anderen Unzulänglichkeiten und die Ergebnisse hatten daher trotz dunklem Himmel nicht die Qualität die du hier zeigst!

Viele Grüße
Roland

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Re: 16 Nächte M74

Beitrag von astroMario » 22.12.2018, 23:19

Hallo Stefan
Wer aus einer Großstadt herraus solche Bilder macht verdient mein allergrößten Respekt
Gruß Mario

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Re: 16 Nächte M74

Beitrag von Desaster » 23.12.2018, 13:32

Servus Stefan,

ohne viel Worte zu verlieren schließe ich mich Mario an; größten Respekt, was Du aus Berlin zauberst!!!

lg
tom

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Re: 16 Nächte M74

Beitrag von Jedi2014 » 25.12.2018, 09:30

Hi Stefan,

Mir gefällt deine M74 hervorragend. Meine damals 11 Std. Lieferten längst nicht so viele Details wie bei dir. Und das Bildfeld des Esprit gefällt mir tatsächlich noch besser, weil da die GX so schön im Raum schwebt.
Viele Grüße
Jens
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Re: 16 Nächte M74

Beitrag von GalaxieFinder » 26.12.2018, 17:27

Hallo Stefan!

Das Gemeine an M 74 ist: kaum hat man die Galaxie mit ihren schwachen Außenbereichen fertig, kommt
im Hintergrund galaktischer Zirrus zum Vorschein. Und weiter geht's....so haben wir am Gahberg mal gute 50 h unter gutem Himmel investiert und
da ginge immer noch was... :-)
Dein Ergebnis gefällt mir ganz ausgezeichnet, all die vielen Details der Scheibe kommen heraus, farblich stimmig, perfekt.

LG, Markus
Ursa Major Sternwarte @ rosa-remote
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