M66

Fotos von Objekten außerhalb unseres Sonnensystems
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christianhanke
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M66

Beitrag von christianhanke » 03.04.2019, 17:21

Hallo,

ich hab mal meine Ausrüstung ans Limit getrieben, um das Messierobjekt M66 abzulichten.



Aufnahmedaten:
Newton 200/900 mm mit 3x-Televue-Barlow 2700 mm Brennweite auf HEQ5-Montierung
Kamera: ASI 1600 MCC (T=-20°C)
Guiding: 135 mm Objektiv mit ASI120 und PHD-Software

Filter: LPS-P2: 90 x 120s, Gain 250
H-Alpha 12 nm: 15 x 300 s, Gain 350

Bildbearbeitung: Fitswork und PS

Das Seeing in den zwei Nächten war außerordentlich gut. Es hat mich schon erstaunt, wie gut das Autoguiding bei einem Brennweitenverhältnis von 1:20 funktioniert hat.

Es ist klar, dass bei einem effektiven Öffnungsverhältnis von F/13.5 die Gesamtbelichtungzeit von gut 4 h grenzwertig kurz ist, was sich im Rauschen zeigt. Zudem schluckt der Großstadthimmel die lichtschwachen Bildteile. Dennoch war ich erstaunt, welche Details der Galaxie doch sichtbar werden.

Gruß und CS

Christian

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steinplanet
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Re: M66

Beitrag von steinplanet » 03.04.2019, 21:18

Hallo Christian,

f13,5 ist natürlich sehr sportlich, fast schon Planeten Equipment. Die 2,7m Brennweite hast du ordentlich mit dem kleinen Objektiv geguidet - respekt.
Klar sieht man bei der geringen Lichtstärke nach 4 Std. noch ordentlich Rauschen. Das gleiche Licht sammelt man mit f4 in 20 Minuten :)
Aber der Versuch hat sich gelohnt, man kann schon viele Kernstrukturen richtig gut erkennen.
In der ganz großen Version sind so runde, glatte Flecke und Bahnen im Hintergrund. Hast Du da mit dem Photoshopstempel gearbeitet?
Klaren Himmel und Grüße aus dem Saarland

Bild Willi

christianhanke
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Re: M66

Beitrag von christianhanke » 03.04.2019, 22:57

Hallo Willi,

da hast du mich ertappt. Ich habe noch ein paar Hot-Pixel in PS weggestempelt. Mit Fitswork ist es mir dann besser gelungen, da dort die verrauschte Umgebung übernommen wird. Vermutlich geht das auch in PS, aber da bin ich nicht so firm.

Mich würde ja interessieren welches der Verfahren zur Brennweitenvergrößerung das bessere ist: Barlow oder Okularprojektion. Hat jemand mal den Vergleich mal gemacht?

Das mit der Nachführqualität liegt sicher auch an der nahezu perfekten Polausrichtung, die ich mit PHD zustande gebracht habe. Ich habe auf der Terrasse zwar keine Sicht auf Polaris, aber PHD nutzt als eine der Alternativen zur Polausrichtung im Endeffekt das Scheinerverfahren. Nur geht es mit der Software wegen der pixelbasierten Auswertung wesentlich schneller.

Als Aufbauhilfe kann ich meinen Eigenbaujustierlaser direkt auf das Polfernrohr stecken. Eine Markierung des Laserspots, die ich nach perfekter Ausrichtung auf dem Balkon angebracht habe, erleichtert so die Ausrichtung beim Wiederaufbau (Bodenmarkierung für das Stativ, fixierte Länge der Stativbeine). Da muss ich dann PHD nicht mehr bemühen.

Gruß und CS

Christian

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Re: M66

Beitrag von Desaster » 04.04.2019, 10:57

Servus Christian

Alter Schwede..... f/13,5 ist schon ne Ansage und dafür zeigt Dein Foto auch schöne Details im Kern;
trotzdem weiß ich, dass Du mit einer nur 2x Barlow besser dran wärest;
jetzt hast Du einen Abbildungsmaßstab von 0,29 Bogensekunden pro Pixel; Dein 8zöller kann maximal 0,6 Bogensekunden trennen; das ist, als wenn Du mit Deinem Newton visuell mit 800facher Vergrößerung betreibst, was natürlich viel zu viel des Guten ist.

wo die f/13,5 was bringen könnten, wären kleine und helle Objekte (z.B. planetarische Nebel) mit Kurzzeitbelichtungen im Bereich unter 1 Sekunde

lg
tom

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Re: M66

Beitrag von Jedi2014 » 04.04.2019, 16:19

Hi Christian,

die Brennweite ist amtlich, aber erkauft mit Lichtschwäche. Da heißt es dann länger draufhalten. Das würde sich lohnen.
Viele Grüße
Jens
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Re: M66

Beitrag von christianhanke » 04.04.2019, 16:28

Hallo,

es gibt noch eine andere Methode. Wenn ich die Minimalstrukturen ausrechne, die durch die Beugungsbegrenzung auf dem Kamerachip noch trennbar sind, so komme ich auf 9 µm. Diese Größe hängt nur vom Öffnungsverhältnis ab. Diese Auflösungsgrenze, die wohl nicht mit meiner Anordnung (Komakorrektor, Barlow-Linse und Kamera) ganz erreicht wird, ist größer als die Pixelgröße der ASI 1600 MCC von 3.8 µm. Es liegt also Oversampling vor. Man kann also ohne Verlust an Auflösung 2x2 oder sogar 3x3 Binning verwenden, was die erforderlichen Belichtungszeiten drastisch heruntersetzt. Ich hab mal das Bild auf die entsprechenden Pixelzahlen herunterskaliert, ohne dass eine Verschlechterung des Schärfeeindrucks eintritt. Wenn man, was heute immer gemacht wird, extrem hineinzoomt, sieht man natürlich Unterschiede.

2x-Barlow könnte ich natürlich auch ausprobieren. Aber ich bin mir nicht sicher ob, die optische Qualität meines Meade-2x-Barlows an die des 3x-Televue-Barlows heranreicht.

Die extreme Brennweite setzt auch ein gutes Seeing voraus. Da hatte ich einfach Glück. Mit den Objekten kann ich nicht wählerisch sein, da das Blickfeld vom Garten aus sehr eingeschränkt ist. In die Pampa zu fahren, bedeutet halt immer einen erheblichen Aufwand. So dauert der komplette Aufbau bis ich den ersten Stern synchronisiert habe, nur etwa 20 Minuten.

Gruß und CS

Christian

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Re: M66

Beitrag von Stefan_Lilge » 07.04.2019, 23:56

Hallo Christian,

dein Streben nach langer Brennweite finde ich zwar löblich, weil ich gerne große Abbildungsmaßstäbe sehe, aber dreifach-Barlow ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Eine 1,5-fach Barlow würde angesichts der kleinen Pixel der ASI1600 auch reichen.
Du hast zwar mit der langen Brennweite sicherlich alle Details herausgeholt, die die Optik liefern kann, aber durch das schlechte Signal-Rauschverhältnis gehen die Details dann letztlich doch im Rauschen unter. Das gleiche Problem habe ich auch mit meinem 10" Meade ACF. Das liefert zwar schön scharfe Bilder bei 2 Metern Brennweite und das Seeing auf meiner Dachterrasse ist manchmal auch gut genug, um damit etwas anzufangen. Aber letztlich fehlt dann durch den hellen Himmel das gute Signal-Rauschverhältnis, um die Details auch wirklich herauszuarbeiten. Also entweder die Barlow weglassen (oder eine weniger starke nehmen) oder mit Barlow mindestens 30 Stunden für helle Objekte wie M66 oder 120 Stunden für schwächere wie NGC 3628 belichten ;-(

Barlow plus Binning fände ich widersprüchlich, es macht keinen Sinn, das Bild erst durch eine Barlow aufzublasen und dann durch Binning wieder zu verkleinern. Dann kann man auch gleich eine geringere Brennweite (und damit ein größeres Feld) nehmen.
Viele Grüße
Stefan

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