Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

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Stefan_Lilge
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Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von Stefan_Lilge » 02.06.2020, 00:23

Hallo,

in drei Nächten (28.-29. und 31.05.2020) habe ich auf meiner Berliner Dachterrasse den schönen "Rauchring" Kohoutek 1-14 (= PK045+24.1) aufgenommen. Das ist ein 1963 vom besagten Herrn Kohoutek entdeckter, 48 Bogensekunden großer Planetarischer Nebel im Herkules.
Den Nebel habe ich per Zufall im Internet "gefunden", ist schon toll, was da alles herumschwirrt, auf das man nur per Zufall aufmerksam wird. Der Nebel ist schön genug um mehr Beachtung zu finden, aber ein PN, der weder im NGC noch IC ist und auch keine "Abell"-Nummer hat, begegnet einem nicht ohne weiteres.

Das ist erst der dritte "Kohoutek"-PN, den ich aufgenommen habe, die anderen waren Kohoutek 2-1
http://ccd-astronomy.de/temp12/Kohoutek ... neugut.jpg
https://forum.astronomie.de/threads/koh ... 39.242164/

und Kohoutek 3-81, den ich aber nur als "Beifang" zu Sh2-113/114 erwischt habe:
http://ccd-astronomy.de/temp11/Kohoutek3-81.jpg

Die ersten beiden Nächte hatten teilweise durchziehende dünne Wolken. Die dritte Nacht hatte einen hoch stehenden halbvollen Mond, der aber am Berliner Großstadthimmel keine allzu auffällige Aufhellung bewirkte.
Astronomische Dunkelheit gibt es hier natürlich auch nicht mehr, so circa die Zeit von 23:45 bis 2:45 Uhr MESZ ist aber zumindest für Schmalband noch nutzbar (das ist so ungefähr der Zeitraum der nautischen Dämmerung).

Den kleinen Nebel hätte ich gerne in vollem Maßstab gezeigt (0,38"/Pixel), aber "nur" gutes Seeing und das Rauschen zwangen mich zu einer Verkleinerung auf 50% (= 0,76"/Pixel). Ich habe den Nebel etwas unterhalb der Mitte platziert, um noch eine schöne Sterngruppe oben links im Bild unterzubringen. Die geplante Komposition hat sich dann noch etwas verschoben, weil ich das Bild deutlich croppen musste, weil die Sterne zum Bildfeldrand hin (insbesondere unten rechts) sehr schlecht aussahen.

Den Zentralstern erkennt man im Summenbild an seiner blauen Farbe, wenn man die Helligkeit deutlich zurücknimmt. In der hier gezeigten Version ist er nur als kleine Ausbuchtung an einem helleren Stern im Inneren des PN zu erkennen.

Aufgenommen auf meiner Berliner Dachterrasse mit ASI2600MC Farbkamera plus STC Duo Narrowbandfilter am 10" Meade ACF bei 2050mm Brennweite auf iOptron CEM60 Montierung, 98x5 Minuten bei hohem Gain (100).

Bild
http://ccd-astronomy.de/temp16/Kohoutek ... ropgut.jpg
Viele Grüße
Stefan

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Re: Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von Desaster » 02.06.2020, 09:38

Hey Stefan,

wiederum ein geniales Foto von Dir, wenn auch ein für mich bekanntes Objekt: habe diesen PN 2002 (sch…, man wird älter) zufällig auch in einem 10"-SC visuell beobachtet!!!

lg
tom

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Re: Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von Edmund » 02.06.2020, 11:33

Hallo Stefan

sogar bei 2m Brennweite noch ein Winzling. Guidest Du mit einem OAG und bist Du zufrieden mit der CEM60 ?
Gruß und immer cs

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Re: Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von Frank » 02.06.2020, 12:58

Hallo Stefan

bist je richtiger PN Jäger geworden,
interessant, gelingt mir mit den großen CCD Pixeln nicht so, das geht wohl auch erst ab 10" Öffnung los

Gruß Frank

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Re: Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von Solidarity » 02.06.2020, 14:58

Hallo Stefan,

echt klasse. Der Winzling ist super eingefangen. Mit der Brennweite muss alles passen!
Klaren Himmel und klaren Kopf wünscht

Karsten

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Re: Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von erik.wischnewski » 04.06.2020, 17:44

Wunderschöne Aufnahme. Und das aus Berlin. Toll! Aber mit einigen Tricks wie Schmalbandfilter und dem, was Du beschrieben hast, geht auch das. Prima Sache.

Kohoutek hat ja beruflich an der Hamburger Sternwarte nach diesen kleinen Rauchringen gesucht, und anderen Planetarischen Nebeln. Mancher entpuppte sich dann auch als Komet, so wie von 1973, der Jahrhundertkomet, der leider unser Jahrhundert verpasst hat. Habe ihn dennoch damals gesehen. Ich erinnere mich gerne an Lubos Kohoutek, den ich fast täglich sah während meiner Zeit an der Hamburger Stenwarte. Ein angenehmer Mensch.

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Re: Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von Stefan_Lilge » 07.06.2020, 23:41

Edmund hat geschrieben:
02.06.2020, 11:33
Hallo Stefan

sogar bei 2m Brennweite noch ein Winzling. Guidest Du mit einem OAG und bist Du zufrieden mit der CEM60 ?
Hallo Edmund,

ich guide per OAG. Mit Leitrohr hatte ich trotz Spiegelarretierung beim Meade ACF gelegentlich Leitrohr/Spiegelshifting, zuverlässig geht es bei mir nur mit OAG.

Mit der CEM60 bin ich recht zufrieden. Die Montierung habe ich gekauft, weil mir meine Losmandy G11 mitsamt Stativ zu schwer wurde, da zwickte immer der Rücken, wenn ich die durch die Gegend getragen habe (ich bin zu faul, um Montierung und Stativ zu trennen, wird also immer alles auf einmal getragen). Die CEM60 mitsamt Tripier (Säulenstativ) wiegt gefühlt nur die Hälfte und kann problemlos im Ganzen bewegt werden. Das Verhältnis zwischen Eigengewicht und Tragkraft ist bei der CEM60 extrem gut.

Ich hatte im Auslieferungszustand zwei Hardware-Defekte, von denen einer (extremes "Klopfen" bei Goto) in der Werkstatt von TS gelöst werden konnte (großes Lob an TS, dass das vor Ort ging und die Montierung nicht zum Hersteller musste), das zweite (extrem schwergängige Axenkupplung) habe ich nach Auffinden eines passenden Youtube-Videos selber lösen können, der Hersteller hatte dazu keine praxistaugliche Lösung.
Außerdem musste ich die Klemmschrauben für die Prismenschienenklemme austauschen, weil die verbauten sehr scharfkantige Metallgriffe hatten, die einem im Winter schön in die Finger schneiden. Offensichtlich haben die Leute von iOptron noch nie selber mit der Montierung gearbeitet, sonst hätte ihnen das auffallen müssen.

Positiv an der Montierung ist neben dem geringen Gewicht die sehr gute Nachführgenauigkeit, die ist schon spürbar besser als bei meiner auch nicht schlechten Skywatcher AZ-EQ6. Die Nachführgenauigkeit ist vergleichbar mit meiner mit Ovision-Schnecke getunten G11, allerdings nicht ganz so zuverlässig. Die G11 hat "immer" abgeliefert, die CEM60 nur "meistens". Ebenfalls sehr positiv ist das praktisch komplette Fehlen von Backlash. Die CEM60 reagiert in beiden Achsen sofort auf Guiding-Impulse.

Größter Negativposten ist der Umstand, dass die Montierung nur maximal eine Stunde über den Meridian hinaus nachführen kann, bevor man umschwenken muss. Sowohl G11 als auch AZ-EQ6 sind da nicht beschränkt, damit konnte/kann ich in der Regel mindestens drei Stunden über den Meridian laufen lassen, bevor das Teleskop irgendwo am Stativ anschlägt (was bei beiden Montierungen wegen der Rutschkupplungen ungefährlich ist).

Zweitgrößtes Problem ist, dass die Montierung keine brauchbare Einnordungsroutine hat. Wenn man also den Polsucher nicht benutzen kann, weil der Polarstern nicht sichtbar ist, muss man Scheinern. Die eingebaute iterative Einnordungsroutine habe ich heute zum zweiten mal ausprobiert, aber die führt mich immer weiter vom Himmelsnordpol weg statt zu ihm hin.

Als neutral würde ich die magnetische Achskupplung beschreiben, die ist halt anders als normale Achsklemmungen, aber letztlich auch kein Problem.
Viele Grüße
Stefan

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Re: Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von Stefan_Lilge » 07.06.2020, 23:47

Hallo Tom, Edmund, Frank, Karsten und Erik,

vielen Dank für die Kommentare!

@Erik: Ist ja toll dass du Herrn Kohoutek persönlich kennengelernt hast. Ich habe gerade erst in der Wikipedia "gelernt", dass er einen Großteil seines Berufslebens in Deutschland verbracht hat...
Viele Grüße
Stefan

Frank
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Re: Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von Frank » 08.06.2020, 13:09

Hallo Stefan

im Kringel ist leicht rötlich, ist da noch was außer O3?

Gruß Frank

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Re: Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von Stefan_Lilge » 09.06.2020, 22:37

Frank hat geschrieben:
08.06.2020, 13:09
Hallo Stefan

im Kringel ist leicht rötlich, ist da noch was außer O3?

Gruß Frank
Hallo Frank,

da hast du gute Augen, der Nebel hat in der Tat einen roten Innenbereich. Nur der Wulst am Rand ist fast ausschließlich in OIII vorhanden.
Viele Grüße
Stefan

Frank
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Re: Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von Frank » 10.06.2020, 09:43

Hi Stefan

Interresant, vom Kringel, (vermutlich eine Blase) eingesperrt

Gruß Frank

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Re: Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von Edmund » 10.06.2020, 09:58

:thumbsup: Danke Stefan für die ausführliche Antwort bzgl der Montierung
Gruß und immer cs

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Re: Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von Frank » 10.06.2020, 15:27

Hallo Stefan

Die Monti, einfache Version oder die mit Encoder in Ra?
😁

Gruß Frank

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Re: Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von Stefan_Lilge » 11.06.2020, 00:00

Hallo Frank,

es ist die Version ohne Encoder. Die mit Encodern ließ sich zumindest in den ersten Jahren nach ihrer Markteinführung nicht ordentlich guiden, da kämpfte immer der Encoder mit dem Autoguider. Das soll zwar neuerdings durch ein Softwareupdate behoben/verbessert worden sein, so richtig trauen würde ich dem aber noch nicht. Und ohne Autoguider war die Montierung bei vielen Leuten nur für kurze Brennweiten zu gebrauchen, weil die Encoder einen Effekt/Fehler mit der Abkürzung "SDE" hatten, der zu schnellen Schwankungen um ca. 4 Bogensekunden führte.
Bei der CEM60 sollte man sich also vorsichtshalber den Aufpreis für die Encoder sparen, auch wenn es wohl auch Leute gab, die damit zufrieden waren.
Viele Grüße
Stefan

Frank
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Re: Kohoutek 1-14 (PN im Herkules)

Beitrag von Frank » 11.06.2020, 09:33

Hallo Stefan

Schwankungen um die +-5" sollte ohne encoder sein, mit ist angegeben +-0,5"
angegeben?=Angeber=eingebildet? :tr: schade, wäre auch zu schön

Gruß Frank

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