Cocoon-Nebel Filtervergleich

Fotos von Objekten außerhalb unseres Sonnensystems
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christianhanke
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Cocoon-Nebel Filtervergleich

Beitrag von christianhanke »

Hallo,

meine Rahmenbedingungen aufgrund der Häuser und Bäume lassen nur zenith-nahe Objekte zu. Die maximale Beobachtungszeit liegt etwa bei vier Stunden. Der Stadthimmel ist recht hell und bei Vollmond messe ich SQM-Werte für die Himmelshelligkeit von 18.8 bis 19.4. So nutze ich seit drei Jahren den Optlong-L-Enhance Dualschmalband-Filter zusammen mit der ASI1600MCC OSC-Kamera. Diese Kombination hat mir es ermöglicht, eine Reihe von Objekten zu fotografieren, die ich vorher als nicht machbar eingeschätzt habe. Um ein Objekt mit längerer Belichtungszeit über mehrere Nächte zu fotografieren, fehlt mir allerdings die Geduld.

Nun haben sich über die Jahre die Möglichkeiten in der Bildbearbeitung auch deutlich erweitert. So war ich neugierig, was sich aus Aufnahmen mit einem Breitbandfilder (Hutech LPS-P2) im Vergleich zu dem Dualschmalbandfilter herausholen lässt. Früher haben der helle Himmelshintergrund und der schwache Objektkontrast oft nur zu mäßigen Ergebnissen in der Bildbearbeitung geführt.

Als Objekt habe ich den Cocoon-Nebel ausgewählt und mit den zwei Filtern (Newton 200/900 mm, Kamera bei G=150 und T=-20°C) mit etwa gleicher Gesamtbelichtungszeit fotografiert:

L-Enhance: 30 Aufnahmen a 240 s
LPS-P2: 58 Aufnahmen a 120 s

Aufgrund der Himmelshelligkeit ist das Histogramm mit dem Breitbandfilter schon so relativ weit nach rechts verschoben, sodass ich kürzer belichtet habe.

Die Bildbearbeitung nutzt DSS zu Stacken, AstroFlatPro zur Hintergrund-Entfernung, StarNet zum Entsternen und Affinity Photo zur weiteren Bearbeitung inkl. TopazDenoise zum Entrauschen.
Durch Differenzbildung des Ausgangsbildes mit der entsternten Version wird eine Ebene generiert, die nur die Sterne enthält. Das ermöglicht die getrennte Bearbeitung vom sternlosen Hintergrund (Strecken, Schärfen, Farbsättigung und Entrauschen) und den Sternen (Farbsättigung). Zum Schluss werden dann die beiden Ebenen wieder zusammengeführt. TopazDenoise hat nämlich das Problem, dass die Sterne beim Entrauschen oft unschön verändert werden. Durch diese Vorgehensweise wird dieses Problem umgangen.

Nun zu den Ergebnissen:

Schmalbandfilter L-Enhance:



Breitbandfilter LPS-P2:



Und als Wechselbild zur Verdeutlichung der Unterschiede:



An sich bin ich schon erstaunt, was sich aus dem ursprünglichen kontrastarmen Breitbandbild herausholen lässt. Der kleine Reflexionsnebel um den Stern TYC 3608-755-1 rechts vom Cocoon-Nebel kommt hier deutlicher zu Vorschein als in der Schmalbandaufnahme. Die bringt natürlich das H-Alpha Gebiet deutlicher heraus und zeichnet sich durch kleinere Sterne aus. Für Nebel mit schwachen H-Alpha-Gebieten kommt man bei meinen Randbedingungen aber nicht um den Schmalbandfilter herum.

Gruß und CS

Christian
christianhanke
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Re: Cocoon-Nebel Filtervergleich

Beitrag von christianhanke »

bei Vollmond messe ich SQM-Werte für die Himmelshelligkeit von 18.8 bis 19.4.
Es muss natürlich Neumond heißen.
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Stefan_Lilge
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Re: Cocoon-Nebel Filtervergleich

Beitrag von Stefan_Lilge »

Hallo Christian,

beim Cocoon finde ich eine gut durchbelichtete Breitband-Aufnahme am schönsten, mit Schmalband geht sonst in der Tat in der Umgebung zu viel verloren.
Viele Grüße
Stefan
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